Es tönt der Kürbis

Was hat ein uralter chinesischer Kürbis mit unserem heutigen Akkordeon gemeinsam?
Seit wann gibt es eigentlich das Akkordeon? Wer hat es erfunden? Warum ist das Akkordeon das auf der Welt verbreiteste Musikinstrument? Gibt es eigentlich auch ernsthafte Kompositionen für das Akkordeon, oder ist es wirklich nur ein reines Volksinstrument, das vor allem in der Seefahrtsromantik, der Musette sowie allgemein in der “leichten Unterhaltung” beheimatet ist? Die folgenden Zeilen geben Einblick in diese Themen.

Durchschlagende Zungen

Die Abbildung zeigt eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit, das “Sheng” (auch als “Mundorgel” bezeichnet). Es ist weit über 4000 Jahre alt und entspringt, wie viele der “klassischen” Musikinstrumente, der asiatischen, bzw. in diesem Fall, der chinesischen Kultur. In seiner ursprünglichen Form besteht es aus einer Kürbisschale, die als Windlade dient und in die durch einen seitlich angebrachten “Schnabel” Luft eingeblasen wird. Im Deckel dieser Kürbisschale stecken Bambusröhren unterschiedlicher Länge. Im unteren Teil dieser Röhren sind in die Rohrwand durchschwingende Zungen (hierauf kommen wir noch später zu sprechen) eingeschnitten. Dieser Teil befindet sich unter dem Deckel. Oberhalb des Deckels sind die Bambusröhren durchbohrt. Soll eine Röhre angespielt werden, so muß mit einem Finger das betreffende Loch abgedeckt werden, nicht etwa, um das Entweichen der Luft zu verhindern, sondern um die Röhre resonanzfähig zu machen, und damit das Einsetzen der Zungenschwingung zu ermöglichen.
Ob dieses Instrument von Entdeckungsreisen nach Europa mitgebracht wurde, wodurch dann das Prinzip der Durchschlagzunge hier bekannt wurde, oder ob die Durchschlagzunge eine eigenständige Entwicklung vollzog, ist bis heute ungeklärt. Die ersten abendländischen Beschreibungen der durchschlagenden Zunge stammen aus dem Jahre 1618. Aber eben genau diese Durchschlagzunge, deren Funktionsweise später noch erklärt wird, ist für die Tonerzeugung des Akkordeons verantwortlich. Andere Instrumentengruppen, die auch diese durchschlagenden (freischwingenden) Stimmzungen gebrauchen, sind neben den Balginstrumenten (z.B. Akkordeons, Bandoneons, Harmonikas und Konzertinas) die Harmoniums, die Mundharmonikas und die Blasharmonikas. Die Entwicklungen der einzelnen Balginstrumente verliefen, chronologisch gesehen, parallel; hier soll allerdings nur auf die Entwicklung des Akkordeons eingegangen werden.

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Autor: Thomas
Datum: Mittwoch, 5. November 2008 11:41
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