Accordance: Alan Bern und Guy Klucevsek

Accordance heißt Übereinstimmung. Ein durchaus treffendes Wort für die Musik der beiden Akkordeonisten Guy Klucevsek und Alan Bern. Bern ist einer der führenden Klezmer-Akkordeonisten seiner Generation und Klucevsek ist u.a. Mitglied der Dave Douglas’ Band, Charms of the Night Sky.

Beide zusammen erschaffen melodische, fröhliche, luftige, atmende Stücke für zwei Akkordeons bzw. Akkordeon und Klavier oder Melodica. Da treffen Klezmersprengsel auf Musette-Versatzstücke, osteuropäisch eingefärbte Folkthemen tanzen Polka miteinander und ruhige, raumgreifende Kompositionen horchen langen, stehenden Klängen nach. Es ist immer schwer, Musik in Worte zu fassen. Auch hier fällt es nicht leicht, ein Etikett über Accordance zu kleben, denn es fließen so viele Bestandteile in diese Musik ein: Themen, die in ihrer etwas “schrägen” melodischen Struktur an Neue Musik erinnern und hier und da eine jazzig anmutende Improvisation sowie rhythmische Verschränkungen, die wie ein Zahnrad ins andere greifen.

Osteuropäisches Volkslied, Jazz, Alte Musik, zeitgenössische Klassik: Accordance pendelt zwischen Ost und West, zwischen Konsonanz und Abstraktion, zwischen Virtuosität und Kinderlied. Es ist ein kammermusikalisches Duett, verspielt, verträumt, eine friedlich existierende Zweisamkeit, die man nicht trennen mag. Akkordeon und Akkordeon, beide sprechen wie aus einem Munde, schreiben wie aus einer Feder.

Alan Bern hat Klavier und Philosophie studiert. Er lehrt Musikethnologie und Musikgeschichte. Früher spielte er Klezmer-Musik, später auch mit Akkordeon. Er komponiert neue Musik für Theater und Film, zwei Jahre war er als musikalischer Leiter des Bremer Schauspielhauses tätig.

Guy Klucevsek studierte Komposition und Musiktheorie, beschäftigte sich mit elektronischer Musik. Er komponierte Ballettmusik, andere komponierten für ihn (John Zorn, Fred Frith). 1996 gründete er eine Band mit fünf Akkordeonisten/Komponisten. Neun Alben gibt es vom mehrfachen Preisträger, zur Zeit ist Klucevsek Mitglied bei der Charms of the Night Sky Band von Dave Douglas.

Auf Accordance haben sich zwei Seelenbrüder gefunden, denen es um ein und dieselbe Sache geht: Wahrhaftigkeit, Bildhaftigkeit. Musik als Mittel zum Ausdruck: sie zielt eben nicht auf Modernität um der Modernität willen, vielmehr geht es um die Trefflichkeit eines Gefühls, einer Stimmung, egal mit welchen Mitteln. Archaischer Blues trifft auf simple Rhythmusstruktur, Zigeunerjazz auf Folksong. Die Stimmungen schwanken zwischen lebhafter Traumwandlerei, stillem Aufruhr, tänzerischer Melancholie. Schreitend lakonisch, und doch strahlend. Melodramatisch, dunkel und traurig, und doch gewinnend. Ein Bilderbad aus Eindringlichkeit, und eine sehr persönliche Momentaufnahme. –Katharina Lohmann

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Autor: Thomas
Datum: Samstag, 3. Januar 2009 12:11
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